Wie ich Imker wurde

Wie ich Imker wurde
Frage ich Imker, wie sie zu den Bienen gekommen sind, dann bekomme ich die unterschiedlichsten Antworten. Einige haben etwas über Bienen gelesen, andere haben Bienen beim Nektar sammeln beobachtet, die meisten aber haben in ihrer Verwandtschaft Imker, die mit Begeisterung von ihren Bienen erzählten. Der größte Antrieb, sich mit Bienen zu befassen, ist die Faszination, die von diesen Insekten ausgeht, die damit verbundenen besondere Nähe zur Natur und nicht zuletzt die Hoffnung, damit auch Honig zu ernten.
Bei mir war es der reine Zufall. Ich war damals 14 Jahre alt. Mein Vater nahm mich mit, als er einen Freund in seinen Schrebergarten besuchte. Es ist wohl den meisten Imkern eigen, dass sie interessierten Zuhörern viel über ihren Bienen zu berichten wissen. Ich war sofort Feuer und Flamme und wollte unbedingt auch Bienen haben. Besonders der leckere Honig, den uns der Imker servierte, bestärkte mich in in diesem Verlangen.
Der Imker weckte aber nicht nur in mir das Verlangen nach einem Bienenvolk, er sagte mir auch woher ich diesen Bienenvolk bekommen kann. Es gibt da in Butzow einen Dorfschullehrer, von dem würde mit Sicherheit einen Bienenschwarm, als Start für meine Imkerei, bekommen.
Entsprechend dem klugen Leitspruch: „Man muss das Eisen Schmieden, solange es warm ist!“ machte ich mich schon am nächsten Tag auf den Weg. Das war damals eine Reise ins Ungewisse. Ich wusste weder, ob ich den Lehrer antreffe würde, noch ob er mir ein Bienenvolk verkaufen kann. Ein Telefon, um das vorab in Erfahrung zu bringen, hatten wir damals nicht.
Ich legte den weiten Weg (immerhin 15 Km) mit meinem Fahrrad zurück und traf den Lehrer auch tatsächlich an. Er war erstaunt und zugleich sehr erfreut darüber, dass ein 14 jähriger Junge sich unbedingt Bienen anschaffen will. Ich dagegen fand das gar nicht so absonderlich. Da er gerade einen Schwarm eingefangen hatte, wurden wir sehr schnell handelseinig.
Der Schwarm befand sich in einem Bienenkorb. Der Korb wurde auf ein Tuch gestellt und das Tuch wurde vom Lehrer oben Zusammen gebunden. Nun konnte ich voller Stolz meine erstes Bienenvolk auf dem Gepäckträger meines Fahrrads nach Hause befördern.
Der Lehrer aus Butzow gab mir noch eine Reihe nützlicher Ratschläge, und ich konnte mit der Imkerei beginnen. Den Bienenschwarm schüttete ich in eine einfache Holzkiste mit einem Flugloch und von da ab saß ich vor dieser Kiste und sah zu, wie die Bienen emsig raus und rein flogen.
Von den Ratschlägen, die mir der Imker aus Butzow gegeben hatte, wollte ich vor allem folgende verwirklichen:
Erstens suchte ich einen Imker in meiner Nähe. Denn ich begriff sehr schnell, dass ein erfolgreiches Imkern ohne die Anleitung und die Ratschläge eines erfahrenen Imkers nicht zum Erfolg führt.
Zweitens borgte ich mir von diesem Imker das erste Buch über Bienen. Bienenhaltung bedarf immer auch die Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen, mit der Biologie der Bienen.
Drittens sollte sich ein junger Imker unbedingt einem Imkerverein anschließen.
Den Bienenkorb, in dem ich meine Bienen nach Hause transportierte, musste ich natürlich wieder zurückgeben. Ich fertigte mir eine einfache Kiste mit einem Deckel und bohrte ein etwas größeres Loch damit die Bienen aus- und einfliegen können etwa 4 cm über den Boden der Kiste.
Schon nach zwei Tagen hatten die Bienen am Deckel Waben angebaut.

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Meinen ersten Bienenkasten bestellte ich mir bei der Fa. Kurt Sturm aus Görlitz. Es war eine Hinterbehandlungsbeute im Freudensteinmaß. Da die Bienen in der Zwischenzeit bereits ein beachtliches Wabenwerk gebaut hatten, gestaltete sich das Umsetzen des Volkes in die neue Beute nicht ganz einfach. Ich schnitt also die Waben in die Rähmchen ein und wickelte Wabendraht um die Rähmchen, damit die Waben nicht herausfallen konnten. In die übrigen Rähmchen lötete ich Mittelwände ein, die ich mir von einem benachbarten Imker geliehen hatte.
Die Bienen meines ersten Volkes hatten einen gelben Hinterleib und sie zeichneten sich durch eine besondere Aggressivität aus. Obwohl ich mit Handschuhen und Schleier gut geschützt war, fanden die Bienen doch Wege, um sich für diese massive Störung zu rächen. Als ich am folgenden Tag zur Berufsschule kam, hatte ich anstelle der Augen nur noch enge Sehschlitze. Den Spott meiner Mitschüler, kann sich sicher jeder vorstellen.
Natürlich kamen dann bei mir auch Zweifel auf, ob denn Bienen für mich das Richtige wären. Dann aber sagte ich mir: „Was andere können, das kann ich auch.“ Und dann wuchsen ja auch die Erfahrungen im Umgang mit den Bienen.
Als sehr nützlich erwies es sich, dass ich sehr schnell in den Imkerverein in Brandenburg/Havel eingetreten bin. Dadurch wurde ich mit dem Mechanikermeister Suhle bekannt, ein erfahrener Imker, der mich unter seine Fittiche nahm.
Meine erste Wanderung
Herr Suhle, sagte zu mir: „Wenn du richtig Honig ernten willst, dann musst du mit deinen Bienen wandern! Wenn nichts blüht, dann kann auch das stärkste Bienenvolk keinen Honig eintragen.“
Er selbst hatte seinen Bienen bereits in ein Rapsfeld in der Nähe von Päwesin aufgestellt. Für meinen Bienenkasten hat er extra einen Platz freigehalten. Auch für den Transport meines Bienenvolkes nach Päwesin hat er alles organisiert.
Mit meinem Bienenkasten musste ich um vier Uhr in der Frühe auf dem Nikolaiplatz stehen. Dort stellte der Milchfahrer, der die vollen Milchkannen aus Päwesin abzuholen hatte, meinen Kasten auf die leeren Milchkannen und los ging die Fahr. Die Bienen wurden dabei mächtig durchgeschüttelt. In Päwesin holte ich mir von einer Familie den bereitstehenden Handwagen und los zuckelte ich zum Rapsfeld, das etwa drei Kilometer entfernt war. Schon von weitem roch ich den intensiven süßen Duft der Rapsblüten. Den Freistand mit den Bienenvölkern des Herrn Suhle konnte ich sehr schnell finden. Ich stellte also meinen Kasten mit den Bienen auf das Untergestell neben den bereits vorhandenen Bienenkästen. Herr Suhle hatte mich ausdrücklich gewarnt: „Öffne auf gar keinen Fall den Bienenkasten und warte bis ich komme!“ Meine Bienen brausten mächtig laut in ihrer Beute und der Raps blühte so schön. Ich dachte an den vielen Honig, den die Bienen schon hätten eintragen können. Da konnte ich es nicht ertragen, meine Bienen eingesperrt zu lassen. Ich öffnete den Kasten. Was dann passierte hatte ich nicht bedacht. Wie ein Schwarm stürzten sich die Bienen aus dem Flugloch, eine Säule aus Bienen stieg in den Himmel und ein anderer Teil der Bienen erkannten in mir den Übeltäter, der ihnen diese Tortur auferlegte. Sie hatten sicher nur einen Gedanken: „Rache!“ Es waren sicher mehr als 10 Bienen, die ihren Stachel in mein Gesicht bohrten. Ich kroch durch Büsche, um den wütenden Bienen zu entkommen. Es half alles nichts, sie fanden genau die Stellen, wo es am meisten weh tut, unter den Augen und an der Nase. Als Herr Suhle kam und mein verschwollenen Gesicht sah, rief er schon von Weitem: „Du hast den Bienenkasten geöffnet!“ Ein Jungimker sollte immer auf den Rat eines erfahrenen Imkers hören.

Nun befasse ich mich bereits seit 65 Jahren mit Bienen. Im Verlaufe dieser Jahre haben sich viele Erfahrungen angesammelt. Ein Imker probiert gerne etwas neues aus, und das ist für den Fortschritt der Bienenhaltung außerordentlich nützlich. Aber eines dürfen wir bei allem, was wir tun, niemals vergessen: Bienen sind keine Haustiere! Sie sind und bleiben Insekten! Und jener Imker hat die besten Erfolge, der in seiner Arbeit an den Bienenvölkern, immer die Lebensgesetze dieser Insekten beachtet.

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