Wenn die Gefahr wächst

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Maden des Kleinen Beutenkäfers

Wenn die Gefahr wächst
Als ich vor nunmehr 64 Jahren mein erstes Bienenvolk anschaffte, stellte die Beschäftigung mit den Bienen nicht annähernd solche Anforderungen an den Imker, wie das heute der Fall ist. Meine damaligen Bienen hatten einen gelben Hinterleib. Die erfahrenen Imker nannten diese Bienenrasse „Italiener“. Sie zeichneten sich vor allem durch ihre Stechwütigkeit und – gemessen an unsere heutigen Honigerträge – bescheidenen Sammelergebnissen aus. Nach und nach setzte sich bei uns eine andere Bienenrasse durch, die das Arbeiten an den Bienenvölkern enorm erleichterte. Die Bienen waren sanftmütiger, vor allem aber wurden die Honigerträge wesentlich besser. Diese Bienenrasse, die sich immer mehr verbreitete, war die „Carnica“ (Apis melifera carnica). Dieser Prozess der Durchsetzung dieser Bienenrasse vollzog sich nicht im Selbstlauf. Viele begeisterte Bienenzüchter haben sich mit einem enormen Aufwand dieser dankbaren Aufgabe hingegeben.
Das Projekt, der Verbreitung der Carnica, wurde, wie die Bienenhaltung überhaupt, staatlich gefördert. Dabei hatten das Institut für Bienenzucht in Hohen Neuendorf und insbesondere Prof. Dr. Günter Pritsch persönlich einen sehr hohen Anteil. Wenn ich diesen erfolgreichen Prozess der umfassenden Verbreitung der Carnica mit dem heutigen Zustand vergleiche, kann ich nur mein Bedauern bekunden. Imker nutzen die neuen Freiheiten nach dem Untergang der DDR, um auch andere Bienenrassen auszuprobieren. Vor allem war es die Einfuhr der „Buckastbiene“. Diese Bienenrasse hat unbestreitbar auch ihre Vorteile. Auch bei uns hat sich eine bedeutende Schar begeisterter Buckfastimker etabliert. Das Problem ist nur, wie ich das sehe, dass sich nun immer mehr die Carnica mit der Buckfastbiene vermischt und zum Schluss haben wir weder eine reinrassige Carnicabiene noch eine reinrassige Buckfastbiene! So wurde eine Jahrzehnte währende erfolgreiche Zuchtarbeit zunichte gemacht!
Imker, die der Carnica ihre Treue halten, haben sich auch schon darüber beklagt, dass mitunter sogar schon die Nachkommen der Königinnen, die sie von eine Carnica-Belegstelle bezogen haben, gelbe Zeichnungen aufweisen.
Nun aber zurück zu den Bedrohungen, die für die Bienen eine echte Gefahr darstellen, und damit auch für den Imker einen enormen Arbeitsaufwand und hohe Kosten verursachen.
Die hauptsächliche Gefahr geht von einer Milbe aus, die bereits 1977 Deutschland erreicht hat. Die Varroa-Milbe hat, seit dem sie sich in unseren Breiten fest eingebürgert hat, schon viele tausend Bienenvölker umgebracht. Die Imker — nicht aber die Bienen — haben gelernt, diese Milben in Grenzen zu halten, mit der Milbe zu leben. Der Aufwand, den die Imker betreiben müssen, ist jedoch enorm hoch, und es ist noch lange kein Ende dieser Plage abzusehen.
Schon nähert sich eine neue Gefahr für die Bienen: Der Kleine Beutenkäfer.
Der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) ist ein Parasit, der sich auf die Vernichtung von Bienenvölkern spezialisiert hat. Er gehört zur Familie der Glanzkäfer und kommt ursprünglich aus Afrika. Dann wurde er von dort aus nach Nordamerika, Australien und seit kurzer Zeit auch nach Europa eingeschleppt. Dieser Schädling, der in der USA schon tausende Bienenvölker vernichtet hat, ist zwar noch nicht in Deutschland angekommen, aber er breitet sich mit großer Geschwindigkeit immer weiter aus. Es ist abzusehen, dass er auch eines nicht so fernen Tages unsere Bienenvölker bedrohen wird. In Italien wurde er bereits gesehen. Wir werden den Vormarsch dieses Aggressors sicher nicht verhindern können, wir dürfen aber seine Ausbreitung nicht noch fördern. Mit vollem Recht warnt der Deutsche Imkerbund vor der Einfuhr von Bienenvölkern oder Schwärmen aus anderen Ländern.
Kaum hat sich diese Gefahr bei uns angemeldet, kommt schon die nächste auf uns zu!
Im Deutschen Bienenjournal 2/2015 wird darüber berichtet, dass die asiatische Hornisse (vespa velutina) in Deutschland gesichtet wurde. Diese Hornisse hat besonders aggressive Eigenschaften, die wir von unseren einheimischen Hornissen nicht kennen.
Diese Insekten haben sich voll auf die Vernichtung und Ausplünderung von Bienenvölkern spezialisiert. Im vorgenannten Artikel wird beschrieben, wie diese Hornissen vorgehen.
„Die Hornissen schweben vor den Fluglöchern und greifen sich zurückkehrende Sammlerinnen. So schwächen sie zuerst das Volk. Dann dringen sie in die Völker ein und stechen dort die übrigen Bienen ab. Schließlich fressen sie die Brut und den Pollen auf. Dabei zerstören sie auch die Waben. Die betroffenen Imker sagen, dass man aus einem ausgeplünderten Volk nicht einmal mehr das Wachs verwerten kann.“ (Interview mit Charles Huck, Deutsches Bienen-Journal 2/2015 Seite 17)
In ihren Ursprungsländern sind die Bienenvölker in der Lage, mit diesen Bedrohungen zu leben. Das ist bei den Bienenvölkern im europäischen Raum nicht der Fall. Sollte sich diese Hornissenart nun auch bei uns ausbreiten, wäre es sehr wichtig, dass sie vernichtet werden darf. (unsere einheimische Hornisse steht bekanntlich unter Naturschutz.)
Fazit: Bedingt durch die Veränderungen der klimatischen Bedingungen, aber auch durch das immer engere Zusammenwachsen der Kontinente, sind wir mit den damit einhergehenden Belastungen und Gefahren noch lange nicht am Ende. Trotzdem wird es immer einen Ausweg geben. der Dichter Friedrich Hölderlin sagte einmal: „Wenn die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch“ Diesem Optimismus schließe ich mich vom ganzen Herzen an.
Es währe jedoch nötig, dass die Imker für die Rettung unserer Bienen eine noch stärkere staatliche Unterstützung erhalten. Leider gibt es Politiker, die die Bienenhaltung als reines Hobby betrachten. Und in der Tat, die übergroße Mehrheit der Imker halten ihre Bienen aus Liebe zur Natur. Sie leisten aber damit einen bedeutenden unentgeltlichen Beitrag für die Erhaltung der Natur und der menschlichen Gesellschaft.

Aus aktuellem Anlass möchte ich im Zusammenhang mit dem behandelten Thema eine Beobachtung anfügen:
Tiere oder auch Insekten, die unsere Bienen bedrohen, gibt es auch bei uns, ohne dass sie aus dem Ausland eingeschleppt werden. Seit einigen Tagen beobachte ich, wie vor den Fluglöchern meiner Bienenvölker Hornissen kreisen, die sich dann heimkehrende Bienen fangen. Haben sie dann eine Biene erwischt, was nicht sehr lange dauert, fliegen sie mit ihrem Fang auf einen nahen Baum, um sie zu verspeisen. Es vergeht nur eine geringe Zeit und ihre Jagt beginnt aufs Neue. Aber nicht nur vor den Fluglöchern gehen diese Räuber auf Jagt.Horn5_1
An unserem Gartenzaun wächst Efeu, der zur Zeit üppig blüht. Auch hier beobachte ich Hornissen,
die sich an unseren Bienen bedienen. Wenn die Bienen aus den Blüten des Efeus Nektar saugen, ist es für die Bienenjäger ein leichtes, sich die ruhig sitzenden Bienen zu fangen. Vor den Fluglöchern ist es für die Hornissen wesentlich schwieriger, die Bienen zu fangen. Denn am Efeu haben Bienen keine Chance den Hornissen zu entkommen. Weil das so bequem ist, sind es hier auch sehr viel mehr Räuber zu beobachten.
Die von den Hornissen gefangenen Bienen  werden sicher die Bienenvölker nicht übermäßig schädigen. (Genau weiß ich das jedoch nicht! Einige hundert Bienen kommen aber gewiss zusammen ) Wenn sich jedoch die Hornissen, die ja bekanntlich unter Naturschutz gestellt wurden, deutlich vermehren und dann die Bienen zu ihrer Hauptnahrung wählen, dann sind die Sorgen der Imker über eine neue Gefahr durchaus begründet.
Es wäre schon interessant, zu erfahren, ob bei anderen Imkern ähnliche Erkenntnisse vorliegen.

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